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Das Boot aus Haithabu

Haithabu gehört zu den bedeutendsten Seehandelsplätzen der Wikingerzeit. Viele Menschen sind fasziniert von diesem Ort und seiner Geschichte. Das gilt auch für unseren Kollegen Kai Zausch. Ihn hat dabei lange Zeit vor allem eine Frage beschäftigt: Wie haben sich die Wikinger auf der Schlei fortbewegt? Der gelernte Bootsbauer vertiefte sich in historische Quellen - und fing an zu konstruieren. Eine Erfolgsgeschichte.

Herr Zausch, seit fünf Jahren liegt während der Sommermonate im Hafen von Haithabu bei den rekonstruierten Wikinger-Häusern ein Boot, dass viel Aufmerksamkeit auf sich zieht – bei Besuchern ebenso wie auf historischen Regatten. Sie haben es gebaut. Gibt es ein historisches Vorbild?

Nein, leider gibt es keinen Originalfund, den ich interpretieren konnte. Es ist keine Rekonstruktion, sondern eine vollständige Konstruktion. Ich habe mich sehr intensiv damit beschäftigt, mit welchem Material die Wikinger Boote gebaut haben, welche Arbeitstechniken sie hatten. Mit diesem Wissen im Kopf habe ich mich gefragt, wie die Menschen zu jener Zeit wohl ein Boot für die Schlei gebaut hätten. Ich würde es Geschichte im Experiment nennen.

Ein Experiment, für das Sie viel Erfahrung mitgebracht haben...

Das stimmt wohl. Ich bin gelernter Bootsbauer und habe unter anderem, bevor ich nach Schleswig gekommen bin, im Archäologischen Freilichtmuseum in Großraden gearbeitet. Dort haben wir gemeinsam mit dem Wikingerschiffsmuseum in Roskilde zwei Boote rekonstruiert, die auf konkreten Funden von der Insel Rügen basieren.

Was fasziniert Sie so sehr daran, wie die Wikinger ihre Boote gebaut haben?

Die Menschen im gesamten Norden konnten damals ohne Pläne und Konstruktionsunterlagen Boote bauen, die voll funktionstüchtig zu Wasser gingen. Sie hatten ein spezielles Wissen über den Bau von Booten, konnten es anwenden und im Alltag weiter geben. Obwohl es den Beruf des Bootsbauers an sich noch gar nicht gab! Diese Kenntnis nutzten sie so selbstverständlich, wie wir heute unser Wissen über so hochkomplexe Geräte, wie Smartphones. Ihr Verständnis, der mit Wasser und Wind in Verbindung stehenden Phänomene und ihre Materialkenntnis ist faszinierend.

Haben Sie ein Beispiel?

Die Wikinger haben das Material genutzt, was es in der Umgebung gab. So haben sie ihr Segeltuch beispielsweise aus Schafswolle gemacht. Sie wussten, dass die Wolle aus zwei unterschiedlichen Haarformen besteht. Das Oberfell hat besonders lange Haare, die man dann an den Stellen im Segeltuch verwoben hat, die besonderen Belastungen ausgesetzt waren.

Gibt es auch ganz grundsätzliche Merkmale, die ein Wikingerboot auszeichnen?

Es waren ursprünglich fast alles Ruderboote. Sie waren flach und mit einem langen Kiel ausgestattet. Das bedeutet, dass sie nicht so wendig waren. Ziel war es, Strecke zu machen. Wenn zusätzlich gesegelt wurde, dann mit einem Rahsegel. Der lange Kiel hilft dann vor dem Wind den Kurs zu halten.

Kommen wir zurück zu Ihrem Boot...

Es gehört dem Museum. Ich habe die „Erik Styrimathr“ konstruiert und 2014 mit Unterstützung von anderen Handwerkern gebaut. Übersetzt bedeutet der Name übrigens Erik Steuermann. Es hat in Haithabu einst einen gleichnamigen Schiffsführer gegeben. Davon zeugt einen Runenstein an der Straße zwischen Busdorf und Selk.

Und was zeichnet die „Erik Styrimathr“ aus?

Das Boot ist 9,05 Meter lang und 2,02 Meter breit. Zehn Ruder bringen das leichte und flexible Boot auf eine Marschfahrt von ca. 3 Knoten. Zur Bedienung des 18 qm großen Segels reichen 5 – 6 Seeleute. Beim Segeln vor dem Wind haben wir schon eine Geschwindigkeit von 10 Knoten erreicht. Die „ERIK“ hätte man in der Wikingerzeit zum Personentransport, für die Fischerei oder zum Transport verschiedenster Lasten nutzen können. Im Laderaum kann man mehr als eine halbe Tonne Last unterbringen. Das Boot besteht zu 95 Prozent aus Eiche. Nur der oberste Plankengang, der aus dem Wasser ragt, ist aus Kiefer.

Dabei war es Ihnen aber wichtig, das Boot nicht nur zu bauen, sondern es auch zu nutzen...

Richtig. Und es freut mich, dass sich so viele Menschen dafür begeistern. Nicht nur Besucher. Es gibt eine ehrenamtliche Bootsgruppe, die aus etwa 40 Personen besteht. Das ist eine gute Zahl, da allein elf Personen nötig sind, um das Boot zu bewegen - zehn rudern, einer sitzt am Steuer und gibt das Kommando. Wir planen mehrere Langturen im Jahr und nehmen auch an Regatten mit historischen Schiffen teil, wie der Rumregatta in Flensburg. Das macht schon echt Spaß, wenn es dann heißt: Das ist das Boot aus Haithabu.

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