Corona-Pandemie

Das Wikinger Museum Haithabu ist geöffnet. Eine Übersicht über alle für das Museum aktuell geltenden Corona-Regelungen (Hygienevorschriften etc.) finden Sie HIER.

schliessen
Newsletter

Sie möchten wissen, was bei uns los ist? Sie sind interessiert an spannenden Interviews, Hintergrundberichten, Ausstellungsempfehlungen und Veranstaltungstipps? Dann abonnieren Sie einen oder gleich mehrere unserer Newsletter. Zur Anmeldung geht es HIER...

schliessen
Springe zum Hauptbereich
Alle Landesmuseen in Schleswig-HolsteinAlle Landesmuseen in SH

„Es geht um ein globales kulturelles Gedächtnis“

Sie machen die Geschichte der Menschheit und unseres Planeten erlebbar – die weltweit mehr als 1000 UNESCO-Welterbestätten. Jede ist einzigartig. Ute Drews, Leiterin des Wikinger Museum Haithabu, spricht im Interview über die zentralen Botschaften, die die Welterbestätten verkörpern – und warum derzeit daran gearbeitet wird, das Thema in die Ausstellung zu integrieren.

Frau Drews, das Grenzbauwerk Danewerk und der wikingerzeitliche Handelsplatz Haithabu sind 2018 gemeinsam als Welterbestätte ausgezeichnet worden. Was bedeutet das eigentlich genau? Was steckt hinter dem Welterbegedanken?

Um das zu verstehen, möchte ich mit Ihnen gern ein wenig zurückblicken. Vor dem Hintergrund der Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges werden 1945 die Vereinten Nationen gegründet (UN). Vorrangiges Ziel ist es, neue Kriege zu verhindern. Die UNESCO wird im gleichen Jahr als Sonderorganisation der UN gegründet. Ihre Aufgabe ist die Förderung der internationalen Zusammenarbeit im Bereich der Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation. 

…in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts trägt die Arbeit der UNESCO dann immer mehr Früchte, richtig?

Ja, das stimmt. 1954 kommt die Haager Konvention zum Tragen, die die Zerstörung, den Diebstahl und die Plünderung von Kulturgütern in Kriegen verbietet. 1972 tritt schließlich die Welterbekonvention in Kraft, in der sich die unterzeichnenden Staaten verpflichten, das gemeinsame Kultur- und Naturerbe zu erhalten und zu schützen. Mit der Einführung der Welterbeliste werden Kultur- und Naturerbestätten in den Fokus gerückt, die von außerordentllicher Bedeutung und daher besonders schützenswert sind. Es geht darum, ein globales kulturelles Bewusstsein zu schaffen.

Auf der Welterbeliste zu stehen, ist eine hohe Auszeichnung. Können Sie als Leiterin des Wikinger Museum Haithabu, das inmitten dieses Welterbes liegt, erläutern, warum exakt hier eine so bedeutsame historische Entwicklung stattgefunden hat?

Das Grenzbauwerk Danewerk und Haithabu liegen an der schmalsten Stelle der jütischen Halbinsel zwischen Nord- und Ostsee. Das ist eine fantastische verkehrsgeografische Lage und Grundvoraussetzung für die Etablierung einer Handelsroute. Außerdem ist hier das Grenzland zwischen Skandinavien und Mitteleuropa. Hier findet also gewissermaßen ein starker Austausch zwischen dem Norden und Kontinentaleuropa statt. Gleichzeitig befinden wir uns hier an der Schnittstelle oder besser auch im Schmelztiegel verschiedener Kulturen; denn hier leben Friesen, Sachsen, Slawen und Dänen. 

Das ist die historische Bedeutung insgesamt. Können Sie die Besonderheit dieses Ortes noch einmal vor dem Hintergrund der Welterbe-Idee spezifizieren? 

Im Schutze des Danewerkes entwickelt sich Haithabu zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert zum zentralen Handelsplatz auf der Transitstrecke des frühmittelalterlichen Warenhandels zwischen Nord- und Ostsee. Mit dem Handel kommen Waren, innovative Technologien, neues Gedankengut und Ideen wie z.B. das Christentum nach Haithabu. Der Ort steigt zum wichtigsten urbanen Zentrum in Nordeuropa auf. Der Schlüssel zu all dem, was wir heute über Haithabu und das Danewerk wissen, ist die Archäologie – verbunden mit einer über 100-jährigen Forschungsgeschichte. Diese umfassende Forschungstätigkeit ist der Grund dafür, dass Haithabu und das Danewerk eine Schlüsselstellung in der Erforschung der Wikingerzeit einnehmen. 

Sie hatten zu Beginn gesagt, dass über der Welterbe-Idee der Gedanke steht, ein globales kulturelles Bewusstsein zu schaffen. Wie gehen Sie damit künftig im Wikinger Museum Haithabu um?

Wir arbeiten aktuell an einer Visualisierung des Welterbethemas in der Eingangswabe unseres Museums. Dem Besucher soll sich direkt beim Eintreten in die Ausstellung erschließen, warum Haithabu und Danewerk Welterbestätten geworden sind. Auch sollen an verschiedenen Stationen in der Ausstellung anhand ausgewählter Exponate einzelne Aspekte der besonderen universellen Bedeutung ganz konkret verdeutlicht werden. Der Welterbe-Gedanke wird sich künftig also wie ein roter Faden durch unsere Ausstellung ziehen. Und ohne zu viel verraten zu wollen, werden wir unsere Gäste dabei auch zu einer filmischen Reise unter die Erde einladen. 

Das klingt sehr spannend. Ab wann werden wir all das zu sehen bekommen?

Wir hoffen sehr, dass das noch in der zweiten Jahreshälfte sein wird. Das hängt allerdings auch von der Entwicklung der Pandemie und ihren weitreichenden Folgen ab. 

Landesmuseen Schleswig-Holstein
schliessen
Nach oben scrollen