Corona-Pandemie

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Geldfälscher in Haithabu?

Es sorgt immer wieder für Schlagzeilen: Falschgeld. Nach Angaben der Bundesbank wurden allein 2020 rund 58.800 falsche Scheine registriert. Neu ist das Phänomen nicht. Die Kulturgeschichte des Geldes ist immer auch eine Geschichte der Fälschungen. Da machten die Bewohner von Haithabu vor rund 1000 Jahren vermutlich keine Ausnahme, wie Museumsleiterin Ute Drews zu berichten weiß.

Die Geldwirtschaft in Haithabu lässt sich in zwei Kategorien unterteilen. Zum einen hatten die Kaufleute eine Form von Gewichtsgeld-Wirtschaft entwickelt, bei der Edelmetall mit Waage und Gewicht abgemessen den Kaufpreis ergab. Schmuck, Barren und Münzen aus Gold und Silber wurden im Ganzen oder auch zerteilt als „Hacksilber“ in die Waagschale gelegt.

Vom 11. Jahrhundert setzte sich nach und nach die Münzwirtschaft durch, bei der dem Nominal von der „Obrigkeit“ ein fester Wert zugewiesen wurde. Haithabu – damals eines der Machtzentren des dänischen Königs - scheint eine der ersten Münzstätten Skandinaviens gewesen zu sein.

Funde der hier geprägten Münzen stammen aus Haithabu selbst oder von anderen Orten, wohin sie wohl durch Geschäfte gelangt sind. Dagegen kommen im Fundmaterial von Haithabu eine ganze Reihe islamischer Silbermünzen vor, die durch Handelsaktivitäten aus den fernen Ländern des Ostens hierher gelangt sein dürften.

Münzfunde bei Untersuchung des Hafens im Jahr 1980

Im Rahmen der Hafenuntersuchungen im Jahre 1980 wurden im Bereich der ehemaligen Schiffbrücken 14 Münzen gefunden, von denen 9 so genannte Dirhems mit demselben Prägestempel geschlagen schienen. Die Inschriften lassen erkennen, dass sie aus der abbasidischen Dynastie des Harun ar-Raschid stammten. Dieser Herrscher, der im heutigen Irak nahe Bagdad lebte, ließ die Münzen dort im Jahr 807/808 n. Chr. prägen.

Auffällig ist, dass bei gleichem Gewicht die Stempelstellung zwischen Vorder- und Rückseite bei allen 9 Münzen identisch ist. Eine ungewöhnliche Übereinstimmung in einer Zeit, in der aufgrund des handwerklichen Prägeverfahrens normalerweise keine Münze der anderen gleicht.

Fälschung oder Schmuckanhänger?

Wie ist dieser ungewöhnliche Fund zu interpretieren? Eine genaue Betrachtung hat ergeben, dass sich an den Münzrändern Reste kleiner Gusszapfen finden. Diese Gusszapfen weisen darauf hin, dass die Münzen offenbar überhaupt nicht geprägt sind, sondern in Formen gegossen wurden. Materialanalysen ergaben zur großen Überraschung, dass die Münzen nicht aus Edelmetall, sondern aus einer Zinn-Blei-Legierung bestehen.

Kann daraus geschlossen werden, dass in Haithabu Handwerker die ihres Silbergehaltes wegen hochgeschätzten Dirhems in minderem Material nachgegossen haben, um so Falschgeld in die Währung einzuschmuggeln? Gerade bei größeren Transaktionen hätte man diese Fälschungen vermischt mit hochwertigen Silberdirhems gut in Umlauf bringen können. Wir wissen, dass man größere Summen abgewogen hat. Die noch nicht abgearbeiteten Gusszapfenansätze könnten die Fälscher verraten. 

Dennoch sei vor vorschnellen Urteilen gewarnt. Denkbar ist nämlich auch eine ganz andere Interpretation: Vielleicht sollten die Münzbilder einfach nur zu preiswerten Schmuckanhängern verarbeitet werden.

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