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Haithabus Perlenmacher

Es ist ein faszinierendes, hochentwickeltes Handwerk: die Herstellung von Glasperlen. Ein Handwerk, das man in Haithabu bereits vor 1000 Jahren beherrschte. Die Glasperlenmacher verstanden es dabei, die Perlen in zahlreichen Formen, Farben und Mustern zu fertigen. Woher wir das alles wissen? Eine nicht minder spannende Frage.

Sie sind rot, grün, blau... Mal etwas dicker, mal etwas dünner. Schlicht oder auch aufwendig verziert. Mehr als 7000 Perlen und Perlenfragmente haben Archäologen in Haithabu gefunden. Es galt in seiner Blütezeit als ein Zentrum der Glasperlenherstellung. Insbesondere Halbfabrikate und Produktionsreste dienen Wissenschaftlern heute, um daraus wichtige Erkenntnisse über den Herstellungsprozess abzuleiten. 

In engem Austausch mit ihnen verfolgt auch Museumsleiterin Ute Drews das Thema seit mehr als 25 Jahren. Sie pflegt enge Kontakte zu Perlenmachern, die sich in historischen Techniken üben, lädt sie zu archäologischen Experimenten nach Haithabu ein. Erst im vergangenen Jahr fand ein internationales Treffen statt. Anhand ausgewählter Funde wurden mit Forschern des Museums Fragen zur Technologie der Glas- und Perlenproduktion diskutiert.

Wer die Wikinger Häuser in Haithabu an solchen Tagen besucht, bekommt einen lebhaften Einblick, wie vor etwa 1000 Jahren Glasperlen hergestellt worden sein könnten. Im Ausstellungshaus, das 20 Fußminuten entfernt liegt, werden viele der Funde präsentiert - und in erklärenden Grafiken der Produktionsprozess skizziert.

Mehr als 7000 Perlen und Perlenfragmente wurden in Haithabu gefunden

Neuesten Forschungsergebnissen zufolge hat es in Haithabu noch keine Glasherstellung gegeben. Die Perlenmacher haben mit mit Glasbruch, importiertem Rohglas und Tesserae – kleinen Glassteinen aus Mosaiken – gearbeitet. Diese Rohmaterialien wurden auf dem Handelswege herbeigschafft.

Der Perlenmacher erhitzt zunächst ein Stück Rohglas in einem Kuppelofen aus Lehm, bis es zähflüssig ist. Auf dem Perldorn, einem eisernen Stab wird die Glasmasse aufgewickelt. Schließt sich der Glasring um den Stab, trennt ihn der Handwerker vom restlichen Glas ab. Die so entstandene Perle wird erneut erhitzt und auf einem glatten Stein durch Rollen in die gewünschte Form gebracht. Mit einem Messer können in die noch formbare Perle Muster eingekerbt werden. 

„Die Skizzierung dieses Fertigungsprozesses beruht auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen, archäologischen Experimenten und ethnologischen Vergleichen. Auch vergleichen wir unser Wissen mit dem, was man über andere Perlenzentren zu jener Zeit weiß“, sagt Drews. 

Fragen bleiben. So gibt es in Haithabu bisher nur einen Hinweis auf einen Glasofen. Auch wurden Stand heute keine eindeutigen Glasmacher-Werkzeuge ausgegraben. Nicht zuletzt dürfte es verschiedene Öfen und Techniken gegeben haben. „Man muss sich immer wieder bewusstmachen, dass es sich um eine Interpretation der Perlenfunde und Befunde handelt“, sagt Drews. „Wenn wir ein archäologisches Experiment machen oder ein Verfahren skizzieren, müssen wir immer darauf hinweisen, dass es sich um ein mögliches Erklärungsmodell handelt – nicht mehr und nicht weniger. Dabei nähern wir uns dem, wie es einst war, wahrscheinlich immer weiter an.“

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