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Haithabu: "Wir verfügen über riesige Fundmassen"

Herr Dr. Hilberg, viele Menschen sind fasziniert von den Wikingern – und von Haithabu. Alles, was wir heutzutage wissen, verdanken wir umfassender wissenschaftlicher Arbeit. Wie hat denn die Erforschung Haithabus angefangen?


In seinem Buch Vor Oldtid, „Unsere Vorzeit“, 1897 in Kopenhagen erschienen, äußerte der damalige Direktor des Nationalmuseums Sophus Müller zum ersten Mal die Meinung, dass der mächtige Halbkreiswall am Haddebyer Noor südlich von Schleswig einst die berühmte Stadt Haithabu umfasst hätte. Der Name war verloren gegangen, aber in seiner unmittelbaren Umgebung hatte man zwei Runensteine gefunden, auf denen der Name Haiðabýr bzw. HēþabȳR zu lesen war. Bislang hatte man dieses Areal aufgrund seiner Anbindung an das Danewerk immer mit einer militärischen Anlage und Nutzung in Verbindung gebracht. Im Jahr 1900 fanden dann vom Museum vaterländischer Althertümer in Kiel, so nannten wir uns damals, die ersten Ausgrabungen in Haithabu statt. Jedes Jahr legte man nach der Ernte im Herbst über das gesamte Areal verstreut eine Vielzahl kleiner Grabungslöcher an – und überall wo man grub, fand man Spuren aus der Wikingerzeit. Schnell war klar, dass es sich bei diesen Relikten nur um die Spuren einer Stadt handeln konnte.

Was sind die herausragendsten Forschungsergebnisse?

Nach fast 120 Jahren archäologischer Feldforschung wissen wir heute, dass das 25,5 ha große Areal innerhalb des mächtigen Halbkreiswalles dicht bebaut gewesen ist. Durch den Anstieg des Meeresspiegels seit der Wikingerzeit haben sich vor allem in Hafennähe die Häuser, Wege oder Zäune hervorragend erhalten. Alles war ja aus Holz gebaut. Genauso wie auch die großen Hafenbrücken, an denen die Schiffe anlegen konnten. An mehreren Stellen wurden die Toten bestattet – teilweise müssen wir uns das wirklich so vorstellen, dass man beim Errichten eines neuen Hauses oder einer neuen Werkstatt zunächst einmal auf die Gräber der Toten stieß und diese zur Seite räumen musste.
Darüber hinaus verfügen wir über riesige Fundmassen. Alles was man damals verhandelte oder produzierte haben wir in Haithabu in zum Teil riesigen Mengen gefunden. Andere Objekte sind sehr wertvoll und kommen entsprechend selten vor. Dadurch erhalten wir ein detailliertes Bild vom Leben der Eliten, aber auch der einfacheren Leute.

Kann man denn sagen, dass Haithabu jetzt weitestgehend erforscht ist?

Nein, bei weitem nicht. Wir stehen erst am Anfang zu erforschen und zu begreifen, dass das frühe Haithabu der Zeit um 800 n. Chr. ein ganz unterschiedliches Haithabu von dem der Jahre um 900, 1000 oder 1050 gewesen ist. Naturwissenschaftliche Herangehensweisen und Analysen werden immer bedeutender. Heute reicht es  nicht mehr aus, eine Münze nur zu bestimmen, also zu ermitteln, wer das Objekt wann an welchem Ort hergestellt hat. Wir wollen wissen, welches Metall verwendet wurde und woher es kam. Die Skelettreste aus den Gräbern geben uns nicht nur Aufschluss über Alter und Geschlecht der Toten, sondern durch Isotopen- oder DNA-Analysen vielleicht auch Informationen über ihre Herkunft und Verwandschaftsverhältnisse.
Das können wir nicht alles selber machen, wir suchen Partner für gemeinsame Forschungsprojekte oder stellen auch Material für anderweitige Untersuchungen zur Verfügung. Aber in diesen Dingen haben wir eine lange Tradition, die über 50 Jahre gut funktioniert hat und die wir bestrebt sind fortzuführen und weiter zu entwickeln. Das Kernteam der Haithabu-Forschung setzt sich zusammen aus Kollegen am Museum für Archäologie Schloss Gottorf und am Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie, neue Rahmenbedingungen sollen in Kürze hierfür entwickelt und umgesetzt werden.

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