Coronavirus: Museen geschlossen

Aufgrund der dynamischen Ausbreitung des Coronavirus hat die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen ihre Museen vom 14. März bis zum 19. April geschlossen. Weitere Informationen finden Sie HIER.


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Unsterbliche Wikinger

Fast 180.000 Besucher haben 2019 das Wikinger Museum Haithabu besucht. Das ist ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Immer mehr Menschen begeistern sich für die Wikinger. Einige Wissenschaftler sehen darin einen regelrechten Hype. Vor dem Start in die Freiluftsaison spricht Museums­leiterin Ute Drews über Gründe und Mythen.

Frau Drews, es gibt Wissenschaftler, die von einem Hype um die Wikinger sprechen. Nehmen Sie das auch so wahr? Und wenn ja, woran mag das liegen?

Der Besucherzuwachs, den wir in den letzten beiden Jahren im Museum verzeichnen konnten, ist vor allem auf den Welterbetitel zurückzuführen. Bereits direkt nach der Aufnahme in die Welterbeliste am 30. Juni 2018 konnten wir einen Anstieg der Besuchszahlen feststellen. Dieses Interesse hat dann 2019 noch einmal zu einer Steigerung der Zahlen geführt. Es ist in diesem Fall wohl in erster Linie das Welterbe, das uns jenen Erfolg beschert, und erst in zweiter Linie das Thema „Wikinger“. 

Also gibt es aus Ihrer Sicht keine grundsätzliche Begeisterung für das Thema?

Nein, das wollte ich damit nicht sagen. Wir registrieren sehr wohl ein ungebrochenes Interesse an den Wikingern. Mittlerweile beobachten wir zum Beispiel an den entlegensten Stellen der Welt Wikingermärkte – selbst dort, wo es keinerlei historische Bezüge gibt. In Neuseeland wurde kürzlich in der Nähe des Ortes Dannevirke ein Wikingerfest ausgerichtet – tausende Kilometer von uns entfernt. Insofern kann man durchaus von einem Hype sprechen. Die Gründe dafür sind vielfältig und sehr differenziert zu betrachten. Soziologen und Psychologen könnten sicher aufschlussreiche Erklärungsmodelle liefern.

Der Wikingermythos ist auch nicht ganz neu...

Richtig. Er hat sich bereits vor rund 1200 Jahren in der Welt des frühen Mittelalters herausgebildet: Starke Kerle an Bord seegehender Schiffe, die für hohe militärische Überlegenheit standen. Das hat schon die damalige Berichterstattung befeuert und ist in Chroniken nachzulesen. Händler, Krieger, Abenteurer, Entdecker … sie sind die Stars des frühen Mittelalters. Sie lösen meist Furcht, manchmal aber auch Bewunderung aus. Mangels detaillierter schriftlicher Überlieferung ist vieles unbekannt – es kommt zur Legendenbildung in vielfältigster Form. Unübersehbar ist, dass der Wikinger mit all seinen Attributen – vorrangig das Schiff – es bis heute geradezu zu einem Kultstatus gebracht hat, der einzigartig ist.

Sie verfolgen und erforschen intensiv, wo und wie die Wikinger in der neueren Zeit überall in den Medien und der Werbung auftauchen, richtig?

Ja, das stimmt. Die vielfältigen Formen der Verwendung dieses Motivs im kommerziellen Bereich, in der Werbung, in Filmen, Serien, Comics und Abenteuerromanen für jedes Alter verdeutlichen, wie beliebt das Thema ist. Gewiss spielt dabei der jeweilige Zeitgeist eine große Rolle. So treiben die medialen Möglichkeiten unserer Tage das Thema geradezu an. Ein Beispiel dafür ist die kanadisch-irische Serie Vikings (6 Staffeln mit insgesamt 89 Episoden, 79 bisher ausgestrahlt). Vikings liegt laut der Internet Movie Database (IMDb) bei einem Zuschauerrating von 8,6 von 10 Punkten und zählt mehr als 30 Millionen Zuschauer. Ebenso verstärkt die moderne Nachrichtenübermittlung in höchster Geschwindigkeit das Thema und sorgt dafür, dass die Anhängerschar immer neue Nahrung erhält.

Und wie sieht es mit dem Wahrheitsgehalt von all dem aus?

Wer will all das prüfen? In der Werbung, in Serien – geht es da nicht vielmehr um etwas ganz anderes? Werden hier nicht in allererster Linie geheime Sehnsüchte nach Stärke, Überlegenheit, Fernweh und Abenteuerlust bedient, ja – unerfüllte Kinderträume befriedigt? Und dieses ungebrochene und immer wieder neu entfachte Interesse an den Wikingern lockt die Menschen sicher auch in unsere Museen. Hier kann vielleicht manches geradegerückt werden, was sensationslüsternen Gestaltungen und oberflächlichen Betrachtungen zum Opfer gefallen ist, denn unsere Informationen basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.

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